Was macht eigentlich ein Ocularist?

Was macht eigentlich ein Ocularist?

Aufgrund von Unfällen, Operationen oder Krankheiten ist es möglich, dass Menschen ihre Augen verlieren und eine Prothese brauchen. Diese künstlichen Augen dienen einem rein ästhetischen Zweck und werden von einem Ocularisten hergestellt. Der Beruf des Augenprothetikers ist in erster Linie ein Handwerk, welches weltweit von nur sehr wenigen Menschen beherrscht wird. Der Ocularist (von lat. oculus, das Auge) fertigt Augenprothesen aus Kryolithglas oder Kunststoff an, wobei in Deutschland die Glasprothese am meisten verbreitet ist. Wegen der längeren Einsatzmöglichkeit von Kunststoffprothesen, sind diese aber auch gleichzeitig um einiges teurer, weshalb eine Glasprothese wohl die beliebtere Variante ist. Für eine einzige Prothese, die aus Kryolithglas (Opalglas) hergestellt wird und ein Jahr lang hält, braucht ein Ocularist heute etwa zwei Stunden. Damals wird das sicherlich noch länger gedauert haben, zumal man davon ausgeht, dass das erste Glasauge (dieser Begriff ist umgangssprachlich und bezeichnet jede Form der Prothese) 1835 und aus Teer und Tierfett hergestellt wurde. 

Heute braucht es eine sechsjährige Ausbildung, um die besonderen Meisterwerke anerkannt herstellen zu dürfen. Für die kleine Berufsgruppe gibt es allerdings keine Berufsschulen und sowohl Theorie als auch Praxis werden in einem Betrieb beigebracht. In der Theorie werden primär medizinische Kenntnisse vermittelt, die sich auf das Auge beziehen. In der Praxis geht es um das handwerkliche Geschick: Glasblasen oder Auftragen von Farbe auf das neue Auge werden durch Nachmachen von ausgebildeten Meistern und „über die Schulter gucken“ gelernt. Das Handwerk wird so intensiv perfektioniert, dass man heute eine Prothese erst dann spürt, wenn es an der Zeit für eine neue ist und Tag und Nacht in der Augenhöhle gelassen werden kann. 

Aktuelle Kunstaugen können sogar mit den umliegenden Muskeln bewegt werden und fallen dadurch so gut wie nicht auf. Damit wird der Beruf des Ocularisten zu einem künstlerischen Handwerk, das nicht unterschätzt werden darf. 

Fakt am Rand: Augenprothesen werden zu 100% von den Krankenkassen übernommen.